Brücke der Freundschaft e. V.

 Berichte und Fotos von der Europakonferenz 2019 in Plovdiv/Bulgarien

07. September 2019 - Bericht zum European Council Meeting

Die offizielle Sitzung zur Europakonferenz fand im Eingangsbereich des „Tarkart Cultural Centers“, einem Museum, in dem viele wertvolle Ausgrabungsstücke anschaulich präsentiert werden, statt.

Eröffnet wurde unsere Tagung um 9.45 Uhr durch den Präsidenten Kaloyan Stoyanov. Es waren 10 von 65 Chaptern aus Europa anwesend. Als Gäste konnten wir Mitglieder aus Kansas City, North Carolina, New York und Südkorea/Seoul begrüßen. Anna Marie Bohsen (Dänemark) wurde als Versammlungsleiterin vorgeschlagen und akzeptiert. Ernst Honegger (Schweiz) war für die Übersetzung ins Deutsche für „non-English speaking Germans“ zuständig. In diesem Jahr standen einige Wahlen an. Es ging um die Positionen für die Finanzen, des Sekretärs, des Koordinators für Jugendarbeit und des Zuständigen für Öffentlichkeitsarbeit. Gewählt wurde Thea aus Dänemark, zuständig für die Finanzen für die nächsten 2 Jahre, Wendy aus Deutschland als neue Sekretärin und Tsvetiana (besser bekannt als Sveti) aus Bulgarien, nunmehr zuständig für Kommunikation. Die Amtszeit von Angel als Koordinator für die Jugendarbeit endete in diesem Jahr nach 4 Jahren erfolgreicher Tätigkeit. Ein neuer Beauftragter konnte leider nicht gefunden werden. Diese Wahl wird per „Online Voting“ in den nächsten Wochen nachgeholt.

Es folgten die Berichte des Präsidenten, der Schatzmeisterin, des Zuständigen für Öffentlichkeitsarbeit und zur Jugendarbeit. Besonders hat alle der „Report“ von Angel beeindruckt, welcher mit vielen Aktionen und guten Ideen erreicht hat, dass fünf Jugendchapter fast 20.000 Euros für wohltätige Zwecke gesammelt haben.

Matthew Goddard (USA) überbrachte uns neue Nachrichten und Informationen aus Kansas City. Unser neuer CEO ist nunmehr Merrill Eisenhower Atwater. U. A. wurden wir dazu aufgefordert, unsere Aktivitäten im „Global Network“ zu veröffentlichen.

Die Delegation aus Südkorea präsentierte sich als Gastgeber für die 22. Weltkonferenz in Seoul. Diese ist geplant für den 25. bis 28. März 2020.

Als Veranstaltungsort und Datum für die nächste Europakonferenz wurde ohne Gegenstimme der Vorschlag Nordmazedonien, Anfang September 2020, akzeptiert.

Die Versammlung endete um 12:50 Uhr. Ein reichhaltiges Buffet wartete auf alle Teilnehmer!!!

Mehr Informationen findet ihr unter dem LINK:

Council Meeting Minutes Plovdiv 2019- v 0.5.pdf
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Hannelore B.

 

05. – 08. September 2019 PTPI European Conference, Bulgaria

Kennenlern-Runde am 05. September auf dem Youth Hill

Mit der Registrierung am Donnerstagmittag war der Startschuss für die Konferenz gegeben. Den freien Vormittag nutzten wir, um die Stadt zu erkunden. Plovdiv – europäische Kulturhauptstadt 2019 – ist nicht nur die zweitgrößte Stadt Bulgariens, sondern auch die älteste lebende Stadt Europas und die sechstälteste der Welt. Man kann in ihr lesen wie in einem Geschichtsbuch und so die Besonderheiten fast aller historischen Epochen und Perioden kennen lernen. Unser erster Spaziergang führte uns über die moderne und schicke Einkaufsstraße bis an den Rand der Altstadt. Sehr widersprüchlich waren die Eindrücke! Herausgeputzte Häuser und moderne Geschäfte neben verfallender Altbausubstanz. Ein großer schattenspendender Park neben einer sauberen versiegelten Fläche ohne ein schattiges Plätzchen! Die Werbung für die europäische Kulturhauptstadt 2019 war allgegenwärtig. Am beeindruckendsten sicherlich die Ausgrabungsstätte des römischen Stadions aus dem 2. Jh. Nur die beiden Endpunkte sind sichtbar. Der Rest liegt unter der Fußgängerpromenade, für deren Passage wir etwa 20 min Fußweg benötigten. Gegen 12:00 Uhr traten wir den Rückweg zum Hotel an, um uns für die Konferenz registrieren zu lassen.

Am Nachmittag waren wir zur Teilnahme an einer Art-Installation auf dem „Youth hill" aufgerufen. Begleitet von Jugendlichen des Plovdiver Studentchapters spazierten wir zu dieser Parkanlage unweit unseres Hotels, ohne zu wissen was uns erwartet. Ziel der Installation war das gegenseitige Kennenlernen. Zu diesem Zweck hatten wir vorab einen Fragebogen zu unseren persönlichen Lebensumständen und Lebenseinstellungen erhalten. Im Park waren Schilder mit unterschiedlichen Antworten zu den einzelnen Fragen aufgestellt. Jeder Teilnehmer erhielt ein Garnknäul und sollte nun von Antwort zu Antwort seinen Faden ziehen. Am Ende entstand ein Netzwerk von Fäden, welches symbolisierte: Je unterschiedlicher wir auch sein mögen, unsere Wege und Erfahrungen kreuzen sich immer wieder. Eine nette Idee. Alle hatten jedenfalls viel Spaß und das Eis war schnell gebrochen.

Das abendliche Dinner in einem sehr schönen Restaurant, mitten im „Liberators Hill", einem weiteren großen Park gelegen, stand unter dem Motto „Night of the Cultures“. Jede Delegation präsentierte das eigene Land durch einen kleinen kulturellen Beitrag. Am beeindruckendsten sicherlich die bulgarische Volkstanzgruppe in ihren schönen Trachten. Von unserem Beitrag habe ich leider keine Foto, da wir alle auf der Bühne standen, um die "Ode an die Freude" zu singen.

The Chapter's trademark game am 06. September

Der folgende Tag war der 6. September. Dies ist der Tag der nationalen Einheit Bulgariens. An diesem Nationalfeiertag wird der Einheit zwischen dem Fürstentum Bulgarien und der ottomanischen Provinz Ostrumelien im Jahre 1885 gedacht. Im ganzen Land finden Zeremonien, Feuerwerke und Andachten statt. Die Volksfeststimmung war in Plovdiv überall zu spüren. An vielen Häusern war die bulgarische Flagge gehisst, die Glocken läuteten und wir sahen Menschen in festlicher Kleidung auf dem Weg zur oder von der Kirche. In Plovdiv fand am Abend ein feierlicher Appell auf dem Platz der Einheit statt, bei dem hochrangige Persönlichkeiten redeten. Für uns stand dieser Tag unter dem Motto „Crazy people are never fatigued – The Chapter’s trademark game“. Vor unserem Hotel trafen wir auf unsere bulgarischen Gastgeber.

Wir wurden in insgesamt fünf Gruppen eingeteilt, die internationaler nicht sein konnten. In meiner Gruppe vereinten sich 14 Teilnehmer aus Belgien, Bulgarien, Deutschland, Südkorea, der Schweiz und den USA. Geführt wurde unsere Gruppe von zwei Mädels des Studentchapters in Plovdiv. Durch das Lösen von vier Aufgaben sollten wir gemeinsam die Stadt erkunden und zum Abschluss an einem sozialen Projekt teilnehmen. Hört sich einfach an, war aber ziemlich schwer, zumal unsere „Anführer“ sehr zurückhaltend mit Informationen waren. Man spürte sozusagen ihren Spaß, einmal in die Rolle des „Lehrers“ zu schlüpfen. Aber auch wir hatten unseren Spaß! Schon die erste Aufgabe war eine Herausforderung: Wir sollten das Denkmal für einen bekannten bulgarischen Opernsänger finden, dessen Namen man uns zunächst vorenthielt. Einzige Information: sein Geburts- und Sterbedatum. Also wurde erst einmal gegoogelt. Das dauerte seine Zeit. Aber wir schafften es. Boris Christow, ein bulgarischen Opern- und Liedsänger, nach dem das Plovdiver Kulturhaus benannt ist, wo sich auch sein Denkmal befindet, war die gesuchte Persönlichkeit. Aber wie dieses Haus finden? Schließlich ist in Plovdiv alles in kyrillischen Schriftzeichen ausgeschildert. Zwar hatte ich dies mal in der Schule gelernt - für alle anderen waren es fremde Schriftzeichen – aber für das Umdenken Englisch – Deutsch – Kyrillische Schrift benötigte ich einige Zeit. Mit vereinten Kräften fanden wir schließlich Gebäude und Denkmal. Es war nur 500 m vom Hotel entfernt!

Schnell Fotos schießen und weiter ging es mit der nächsten Aufgabe im Gepäck zum Central Square, dem Beginn der langen Fußgängerzone. Meine Aufgabe war es, mich mit einer Person, die ein Heavy Metall – T- Shirt trug, fotografieren zu lassen. Die Suche war erfolgreich! Aber die erste Person lehnte ein Foto ab, bei einer jungen Frau hatte ich dann Glück. Fotografiert wurde ich von einem bulgarischen Mädchen, leider hat sie mir dieses Foto nicht zukommen lassen. Andere hatten da mehr Glück.

Unsere nächste Station war die Kirche St. St. Konstantin und Elena in der Altstadt. Diese Kirche ist eine der antiken christlichen Kultstätten in der Stadt. Bereits im 4. Jh. wurde hier eine Kirche errichtet und geweiht. 40 Märtyrer starben an dieser Stelle den Opfertod. Die heutige Kirche stammt aus dem Jahre 1932.

Unsere Zeit war inzwischen weit vorangeschritten, und so drängten unsere Begleiter auf Tempo. Mit dem Linienbus fuhren wir zu einem großen Park am Rande der Stadt. Auch hier Volksfeststimmung und gut gelaunte Menschen. Eine große Bühne war aufgebaut. Grillplatz reihte sich an Grillplatz, Berge von Fleisch waren aufgetürmt. Es roch appetitlich. Aber wir kamen leider mit einer Stunde Verspätung an, so dass unser soziales Projekt nicht mehr durchgeführt werden konnte, obwohl alles vorbereitet war. Wir sollten eine Plovdiver Umweltinitiative beim Müllsammeln im Park unterstützen. Aber es war bereits zu spät für diese Aktion, und so informierte eine Vertreterin lediglich über das Anliegen der Organisation. Bitter nötig, denn Bulgarien hat in der Tat ein Müllproblem, insbesondere Plastikmüll „schmückte“ viele öffentliche Orte. Ein Pfandsystem wie bei uns gibt es nicht. Auch das leckere gegrillte Fleisch war für uns nur zum Anschauen, denn wir wurden zum Lunch im Lokal einer großen Sportanlage erwartet, wo wir auf die anderen Gruppen trafen.

Nicht nur wir, alle waren ca. eine Stunde zu spät. Nach dem Lunch präsentierten dann alle Gruppen die Ergebnisse ihrer vormittäglichen Aktivitäten. Insgesamt war es eine lustige und spannende Aktion, zum Erkunden der Stadt Plovdiv. Leider waren unsere jungen Gastgeber etwas sparsam mit Informationen über ihre Stadt. Aber es gibt ja schließlich Google und Wikipedia! Nach dem Dinner am Abend war die Teilnahme am offiziellen Festappell zum Tag der Nationalen Vereinigung geplant. Die Sicherheitsvorkehrungen waren groß. Aber es war etwas anders, als wir es uns vorgestellt hatten. Kein Kulturprogramm, sondern Politiker, die Reden in einer uns fremden Sprache hielten. So zogen wir es vor, ins Hotel zurückzukehren und uns das Feuerwerk von dort anzuschauen. Die Stimmung mitzuerleben war dennoch sehr schön, insbesondere als uns eine Parade geschmückter Motorräder entgegenkam und mit wehenden Fahnen zum Festplatz fuhr.

European Council Meeting am 07. September

Die offizielle Mitgliederversammlung von PTPI Europa fand am Samstagvormittag im Museum „Tarkart Cultural Center“ statt.

Der Nachmittag stand zur freien Verfügung. Ich nutzte die Zeit und spazierte gemeinsam mit Rotraut durch die Altstadt. Ein kleiner Anstieg war zur Kathedralkirche der Hl. Mutter Gottes zu bewältigen. Von dort führte unser Weg zum Antiken Theater, wo man einen wunderschönen Blick über die Stadt und deren gebirgige Umgebung hat. Im Antiken Theater finden im Sommer häufig Open-Air-Konzerte und andere kulturelle Veranstaltungen statt. Kreuz und quer ging es dann durch die Altstadtgassen, vorbei an sanierten schönen Renaissancehäusern aber auch an maroder und vom Einsturz bedrohter Altbausubstanz. Die Straßen schienen noch aus der Römerzeit zu stammen, und ich war froh über mein gutes Schuhwerk! Unser Spaziergang endete mit dem Besuch des wunderschön restaurierten "Hadzhi Aleko-Hauses". Dieses war nach seinem ersten Besitzer benannt, der als einer der ersten einen europäischeren Baustil in Plovdiv einführte. Heute beherbergt es die „Art Gallery & Museum Philippopolis“. Das Interieur ist voll mit originalen antiken Möbeln sowie Gemälden von renommierten bulgarischen Künstlern, aber auch eine Ausstellung von Werken eines Gegenwartskünstlers, die man käuflich erwerben konnte, war ansehenswert.

Ein 3-D-Film im Filmtheater im antiken Stadion über die Spiele der Römer rundete unseren Bummel durch Plovdiv ab. Eine beeindruckende alte Stadt! Den Ausklang der Konferenz bildete am Abend das Dinner mit Kulturprogramm im Megdana Restaurant, einem sehr schönen Erlebnisrestaurant. Besonders beeindruckend die Folkloreshow mit den temperamentvollen Tänzen. Am Ende der Show forderten die Tänzer das Publikum auf und alle tanzten mit. Schließlich musste man das äußerst reichhaltige Essen wieder loswerden. Ein gelungener Abend!

Sonntagsausflug zum Kloster Batschkovo

Traditionell wurde auch in Plovdiv zum Abschluss der Konferenz ein Sonntagsausflug ins Umland angeboten. Das Interesse war groß und zwei Busse waren im Einsatz! Ziel war das Kloster Batschkovo, welches als Nationalheiligtum gilt, etwa 30 km südlich von Plovdiv. Es ist das zweitgrößte Kloster Bulgariens und gehört zu den wichtigsten Wallfahrtszentren Südosteuropas. Der 8. September ist in Bulgarien ein kirchlicher Feiertag, entsprechend groß war der Zulauf zum Kloster. Viele Gläubige waren unterwegs, und vor der Kirche im Kloster bildete sich eine lange Schlange von Gläubigen, um zum Bild der „Schwarzen Madonna“ zu gelangen. Für mich äußerst beeindruckend die bunten Wandmalereien und die Ikonenwand.

Zunächst unternahmen wir allerdings eine etwas beschwerliche Wanderung durch das UNESCO-Biosphärenreservat „Red Wall“. Zunächst allmählich ansteigend ging es dann tief in den Berg entlang eines kleinen Flusses zu einer kleinen Höhle. An diesem heiligen Ort wurde Anfang des 20. Jh. eine Ikone der Jungfrau Maria wieder entdeckt, die über 200 Jahre während der osmanischen Herrschaft versteckt war. Zu Beginn der Tour belehrte uns Emilia nachhaltig, keinen Müll zu hinterlassen. Nun, wir hielten uns daran, die einheimische Bevölkerung eher weniger! Ein sehr schöner, interessanter aber auch anstrengender Ausflug zum Abschluss der Konferenz! Ziemlich müde ließen wir gemeinsam den Abend im Hotel ausklingen. Die Schweizer und die Amerikaner hatten sich mit einigen bulgarischen Jugendlichen zum Karaoke verabredet, unsere deutsche Gruppe schaute dem Geschehen wohlwollend aus der Ferne zu. Wir waren zum Singen zu müde. Am nächsten Morgen fuhren wir mit dem uns schon bekannten kleinen Transferbus nach Sofia, wo wir noch drei interessante Tage verbrachten.

Ilona S.

 

06. September 2019

Besuch im Waisenhaus

Unsere Gruppe hatte das in strahlendem Gelb gestrichene Haus, das Waisenhaus von Plovdiv, erreicht.Der Schlüssel wurde gezückt, das Tor geöffnet. Freudige Gesichter empfingen uns und hießen uns herzlich willkommen. Im Waisenhaus leben derzeit 14 Kinder, betreut von Erziehern und einem Musiklehrer. Das jüngste Kind, ein Mädchen, ist sieben Jahre alt. Die Gründe dafür, warum die Kinder in dieser Einrichtung leben, beruhen auf unterschiedlichen Schicksalen: ein Teil der Eltern dieser Kinder war verstorben und einige Kinder waren wohl von ihren Eltern nicht gewollt. Trotz ihres schwierigen Starts ins Leben hatten wir insgesamt den Eindruck, dass die Kinder sehr fröhlich und zufrieden sind. Sie warteten schon begierig darauf, uns ihre Zimmer zu zeigen. Die Kinder teilten sich meist zu zweit oder zu dritt ein Zimmer oder hatten, wenn das Zimmer sehr klein war, es für sich alleine. Einige Kinder hatten sogar vor kurzem die Wände ihrer Zimmer selbst gestrichen und waren sehr stolz darauf. Fast alle Kinder verfügen über einen eigenen Schreibtisch und einen PC. Die Wände in einem der Zimmer waren mit wunderschönen, fröhlich-bunten Kinderzeichnungen geschmückt. Eines der Mädchen, ca. 12 Jahre alt, hatte ihre vielen Medaillen, die sie bei Cricket-Wettbewerben gewonnen hatte, über ihrem Bett aufgehängt. Sie erzählte uns, dass sie sogar demnächst in die bulgarische Nationalmannschaft der Cricketspieler aufgenommen werden wird. Dieses Beispiel macht deutlich, dass die Kinder entsprechend ihrer Begabungen gut gefördert werden.

Im Gemeinschaftsraum gibt es viele Gesellschaftsspiele, die oft gemeinsam von den Kindern gespielt werden, auch die vielen Bücher erfreuen sich großer Beliebtheit bei den kleinen Lesern.  Im kleinen Garten hinter dem Haus überraschten uns die Kinder mit einer eigens für unseren Besuch einstudierten Musikdarbietung, einigen Solobeiträgen und kleinen Tanzeinlagen. Im Anschluss daran folgte eine kurze Vorstellungsrunde, in der alle sich mit einem Tier, dessen Anfangsbuchstabe dem des Namens glich, vorstellen sollten: z.B. Giraffe für G wie Gudrun, was allerdings nicht immer glatt funktionierte. Gemeinsames Singen bildete den Abschluss unseres Besuches, der bei allen ein gutes Gefühl und einen positiven Eindruck hinterließ, weil die Kinder in dieser Einrichtung gut versorgt sind und ihnen gute Startbedingungen ins Leben ermöglicht werden. Es war für uns alle eine wunderbare Erfahrung.

Grudrun S.

06. September 2019

Besuch in einem Integrationszentrum für sozial benachteiligte Kinder

Die Teilnahme an der diesjährigen Konferenz war für mich ein voller Erfolg. Es gibt viele Aspekte, die mich zu dieser Aussage veranlassen. Ich möchte den Besuch des Zentrums für soziale Rehabilitierung und Integrierung für Kinder hervorheben.

Die langen Jahre der politischen Instabilität und die schwierigen ökonomischen Bedingungen führen in vielen Familien in Bulgarien zu schulischen und persönlichen Verhaltensstörungen bei Kindern und Jugendlichen. Betroffen sind hauptsächlich Kinder aus Roma Familien und Kinder aus extrem armen Familien. In diesem Zentrum werden Kinder mit sozial auffälligem Verhalten therapiert.

Ein Team von Sozialarbeitern und Psychologen arbeitet in Einzel- und Gruppenarbeit gemeinsam mit den Kindern und deren Eltern an der Veränderung des Verhaltens. Ziel ist sowohl die Prävention als auch die Reintegration.Nach Aussagen der Leiterin sind die finanziellen Ressourcen für die Arbeit mit Risikogruppen in Bulgarien sehr eng bemessen. Die Gehälter werden mit staatlichen Mitteln finanziert und sind sehr niedrig. Aus diesem Grund ist es schwierig, ausreichend Personal zu bekommen. Außerdem sind dringend Sanierungen und Renovierungen erforderlich. Die Räumlichkeiten sind für vierzig Kinder ausgerichtet. Es müssen jedoch achtzig Kinder betreut werden. Ich habe großen Respekt vor den Mitarbeitern des Zentrums, die sich trotz schwieriger Bedingungen für diese Kinder bzw. Jugendlichen engagieren. Ihre Arbeit ist von großem Optimismus und Eigeninitiative geprägt.

Karin L.


02. bis 04.September 2019 Pre-Conference-Trip Summary

The PTPI Conference team organized a wonderful three-day tour before the conference. Eighteen people participated – PTPI members from Bulgaria, Denmark, Germany, Sweden, and Switzerland. On 2 September 2019, we drove to the town of Sopot, where we visited four sites:

The Ivan Vazov House Museum: it is where Bulgaria’s best-loved author, Ivan Vazov, lived. He wrote “Under the Yoke”, a classic of Bulgarian literature based around the April 1876 uprising against the turks. We then walked to the Ethnographic and Craft Center Sopot Esnaf and we watched and then participated in four different crafts (weaving, woodcarving, forging, and pyrography). Beatrice, from Switzerland, had a quick lesson in forging. From there, we walked to a historical women’s school and we viewed the peaceful courtyard. We drove to the Sopot Lift on the outskirts of town, where we rode the longest passenger cable car in Bulgaria. We rode to the first station and it provided a great view of the valley! 

We then boarded the bus and drove to the Starosel Complex Wine & Spa located near the village of Starosel. The complex had beautiful landscaping, deer roaming freely, and we had a tour of the onsite winery and brandy distillery, dinner, and an overnight stay there. Two members of our group (Rolf from Sweden and Wendy from Germany) tasted wine with a Bulgarian man. Delicious wine!

On 3 September 2019, we drove to the Demascena Ethnographic Complex, a very colorful and creatively decorated group of buildings with a pond and beautiful landscaping. We listened to the process of obtaining oil from roses.

We then visited the Shipka Memorial Church (also known as the Memorial Temple of the Birth of Christ). It is a Bulgarian Orthodox church built near the town of Shipka between 1885 and 1902. The plaques inside list the names of the officers and volunteers who died during the Russian-Turkish war of 1887-88.

We continued on our journey with a visit to two tombs (Sevt III and Kazanlak) in the Valley of Thracian Kings. We then visited the Iskra Museum of History. Interesting wall art, ceramics, and description of the tombs and map showing the locations! 

On 4 September 2019, we drove to the entrance to a trail that we hiked up to the Wonderful Bridges. They are natural arches in the Rhodope Mountains of southern Bulgaria, located about 30 kilometers from the town of Chepelare. The two bridges were formed by erosion from the Erkyupryia River. Only the larger formation is accessible to tourists. The Wonderful Bridges are number 85 on the 100 National Touristic Places of the Bulgarian Touristic Union.

We visited the Gerzovitsa Dairy, located within a prison situated in the Middle Rhodope Mountains. The prison houses inmates having sentences of five years or less. The inmates are being taught how to make cheese and yogurt, learning all aspects from raising cattle and sheep on-site to the packaging and selling of products. We listened to a description of the cheese making process and ate a delicious lunch that was prepared for us. 

During our trip, our tour guide (Emilia Crushcov), who is also the Adult Advisor of the PTPI Plovdiv Smiles (a student chapter), was warm and welcoming, friendly, fun, knowledgable, and patient. She truly developed this itinerary for us from her heart. In addition to all of the wonderful places that we visited, we ate delicious food at restaurants that she hand-picked. This concludes our three-day tour filled with history, culture, beauty, and friendship. Our bus returned us to our hotel in Plovdiv. We were all looking forward to the start of the PTPI Conference on 5 September 2019.

Wendy H.

2. bis 4. September 2019 - PRE-CONFERENCE Tour

Sopot und der Sessellift

Nach einer kurzen Nacht gegen 9 Uhr ausgerüstet mit Rucksack und bequemem Schuhwerk starteten 19 Teilnehmer aus fünf europäischen Ländern die Tour im Kleinbus eines deutschen Herstellers. Mit Emilia hatten wir eine hervorragende Reiseleiterin. Zugegeben - in dem kleinen Fahrzeug war es kuschelig und nicht besonders bequem, aber unsere Stimmung konnte das nicht trüben, wir arrangierten uns schnell mit der Situation. Das erste Ziel war Sopot, eine Kleinstadt im Norden von Plovdiv. Sopot ist der Geburtsort des wohl bekanntesten Schriftstellers und Aktivisten der Bulgarischen Nationalen Wiedergeburt Ivan Vasov. Deshalb besuchten wir zu Beginn unseres Aufenthaltes auch sein Geburtshaus, heute ein Museum.

Ich stellte an dieser Stelle fest, dass ich sehr wenig über bulgarische Geschichte weiß, und nahm mir vor, diese Wissenslücke zumindest teilweise zu schließen. Während der Tour wurden wir noch des Öfteren mit interessanten Fakten darüber konfrontiert. Als die Epoche der Nationalen Wiedergeburt werden die ca. 100 Jahre vor dem Russisch-Türkischen Krieg im Jahre 1877 bezeichnet. Dabei ging es im Wesentlichen um die Entwicklung eines eigenen bulgarischen Nationalbewusstseins und damit auch um eine Abgrenzung von griechischen und osmanischen kulturellen Einflüssen. Mit dem Sieg der russischen Truppen und dem Frieden von San Stefano 1878 wurden die Grundlagen des heutigen modernen bulgarischen Staates gelegt. Im Jahre 1885 vereinten sich zwei der größten ethnisch bulgarischen Landesteile: das Fürstentum Bulgarien und Ostrumelien. Wir erlebten die Feierlichkeiten am 6. September, dem Vereinigungstag, aus diesem Anlass in Plovdiv. Erst im Jahre 1908 wurde durch den Fürsten Ferdinand von Sachsen Coburg-Gotha die völlige Loslösung vom Osmanischen Reich erklärt und aus dem Fürstentum wurde das Zarentum Bulgarien und sein Fürst zum Zaren. Damit genug Geschichte und zurück zum Museum. Ivan Vasov wurde 1850 in Sopot geboren und verstarb 1921 in Sofia. Er ist eine bedeutende Persönlichkeit der bulgarischen Geschichte. Als Historiker, Dichter, Schriftsteller und Politiker wird er von den Bulgaren verehrt.

 

 

Ein kleiner Rundgang durch Sopot schloss sich an, wobei ich vom Zustand des öffentlichen Raumes eher enttäuscht war. Aber der Besuch des ethnografischen und handwerklichen Zentrums war ein Highlight. Wir konnten die Arbeit lokaler Handwerker beobachten: Schmieden, Weben, Gravieren u. a. und durften auch selbst tätig werden. In einem kleinen Café wurde Kaffee auf traditionelle Weise auf heißem Sand gebrüht.

 

 

Nach dem anschließenden Mittagessen im sehr schönen traditionellen Restaurant „Dobrila“ besichtigten wir das kleine Mädchenkloster mit der Kirche St. Peter und Paul. In einem der Nebengebäude befand sich ein weiteres interessantes Museum zur Geschichte Bulgariens. An dieser Stelle ein Wort zu den öffentlichen Toiletten, die gibt es nämlich nicht. Im Bedarfsfall wird man auf den Raum hinter der Kirche verwiesen, wo sich die Gräber von Priestern befinden. Darmdisziplin ist also bei Fahrten über Land in Bulgarien unbedingt erforderlich.

Ein ganz besonderes Abenteuer erwartete uns dann noch am Nachmittag: die Fahrt mit dem Sopot-Lift. In 22 min überwindet dieser einen Höhenunterschied von 832 m im Central Balkan Nationalpark. Auf einer Höhe von 1389 m hat man einen herrlichen Ausblick über die Region, und die Fahrt an sich ist einfach herrlich. Unterwegs passierten wir einen heulenden weißen Wolf, der aber wohl nur ein Haski war, denn in Bulgarien, so erklärte mir Emilia, gibt es keine weißen Wölfe. Für mich war es trotzdem ein weißer Wolf. Im Sommer wird die Bahn vorwiegend von Paragleitern und verrückten Touristen aus Westeuropa genutzt, denn Auf- und Abstieg waren abenteuerlich! Ohne blaue Flecken kam kaum jemand davon und die EU-Vorschriften für derartige Beförderungsmittel sind hier wohl noch nicht angekommen. Lustig war es trotzdem!

Nach so viel Abenteuer durften wir dann den ausklingenden Tag in einem sehr schönen Wellness-Komplex, dem Starosel Complex Wine&Spa genießen, wo wir auch übernachteten.

Das Tal der Rosen und der thrakischen Herrscher

Das erste Ziel am zweiten Tag unserer Tour war der Ethnographische Komplex „Damascena“. Hier wurden wir in die Geheimnisse der Rosenölproduktion eingeweiht und erhielten Kostproben der verschiedenen Rosenölprodukte, von Parfüm und Rosenwasser bis hin zu Rosenlikör, Rosenhonig und Rosenschnaps. Der Komplex befindet sich im Dorf Skobelevo und überraschte durch sein Ambiente. Auf mich wirkte er wie eine Oase in einer Wüste, denn Zentralbulgarien ist klimatisch nicht besonders verwöhnt. Heiße und trockene Sommer führen zu Ermüdungserscheinungen der Natur im Herbst. So genoss ich diese wirklich grüne Oase. Überall gab es Blumen, frisches Grün und viel Wasser. Zugegeben,  im Vergleich zur umliegenden Landschaft fühlte man sich ein bisschen wie in Disneyland! Schön war es trotzdem und interessant. Bulgarien ist der weltgrößte Erzeuger von Rosenöl und liefert etwa 70 % der Weltproduktion. Die Rosenblätter werden sehr früh geerntet, da der Ölgehalt dann am größten ist. Das Ernten ist reine Knochenarbeit und traditionell eine Aufgabe der Frauen. Für 1 Liter Rosenöl werden drei Tonnen Blüten benötigt. Es ist das teuerste aller ätherischen Öle.

Am Nachmittag besichtigten wir zwei thrakische Grabstätten im Tal der Thrakischen Könige. Insgesamt gibt es hier 8 Gräber, die detailliert erforscht wurden. 99 % von ihnen wurden in der Vergangenheit geplündert, trotzdem gelang es den Archäologen wertvolle Fundstücke zu bergen und die Überreste zu konservieren. Die beeindruckenden Wandmalereien erzählen viel über das Alltagsleben der Thraker vor 2500 Jahren. Grabbeigaben konnten wir danach im Geschichtsmuseum in Kasanlak bewundern; ein sehr modernes Museum, welches einen großen Gegensatz zur Bausubstanz der übrigen Stadt darstellt. Diese Beobachtung machte ich aber recht häufig während unseres Aufenthaltes. Mehrheitlich wenig gepflegte, heruntergekommene Bausubstanz und dann wie Sternenstaub modernste neue Gebäude.

Nach so viel Geschichte waren wir reichlich müde und recht zufrieden, im klimatisierten wenn auch kleinen und engen Bus zurück nach Plovdiv ins Hotel gefahren zu werden.

Naturwunder und Gefängnismolkerei

Dies erwartete uns bei der dritten Tagestour am Mittwoch. Zunächst ging die Fahrt über viele Serpentinen hoch in die Berge. Dort war es recht kühl, aber angenehm. Wie besichtigten die sog. „Wonder Bridges“. Die Wunderbrücken sind ein Felsphänomen in den Westrhodopen auf 1450 m über Meeresspiegel. Die Besichtigung dieses Naturwunders war eine sportliche Herausforderung, welche von vielen gut bewältigt wurde. Ich war etwas vorsichtig und begnügte mich mit einem Blick von oben auf die Brücke.

Eine Legende erzählt von der Entstehung der Wunderbrücken. Vor langer Zeit lebten hier viele Hirten. Ein Drache begann ihre Herden zu verwüsten. Nach Jahren des Leidens wehrten sie sich. Sie beluden einen Esel mit Zunder, entzündeten den Zunder und schickten den Esel gegen den Drachen. Der Drache verschlang den Esel samt dem Zunder, der langsam, aber sicher entflammte. Der wahnsinnige Drache versuchte verzweifelt zu entkommen, zum Schluss fand er ein kleines Loch in der Erde. Sein riesengroßer Körper öffnete den Spalt. Jahre später, als die Haare des Drachen verwest waren, blieben die riesengroßen Bogenbrücken zurück. Auf diese Art und Weise entstanden der Legende nach die Wunderbrücken. Eine hübsche Geschichte!

Zum Lunch wurden wir in der Gefängnismolkerei Gerzovica in der Nähe von Smolyan erwartet. Die Gefangenen halten hier eine Herde von Kühen und Schafen und produzieren unter Anleitung von Fachkräften aus deren Milch qualitativ hochwertigen Yoghurt und Käse. Wir wurden in die Geheimnisse der Käseproduktion während einer Besichtigung der Produktionsstätte eingeweiht. Wie uns Emila erzählte ist es für die Straffälligen eine Auszeichnung, in dieses Gefängnis verlegt zu werden, was auch nur bei guter Führung und einer guten Chance auf Reintegration erfolgt. Ein bewegendes Erlebnis! Das vorher kredenzte Mittagsmahl war ausgesprochen schmackhaft und sehr reichhaltig. Alle Produkte kamen aus eigener Produktion  und die Bereitung des Lunches oblag ebenfalls den Insassen. Mit diesem Ausflug endete die Tour und die Fahrt ging zurück zum Hotel in Plovdiv.

Ilona S.

01. September 2019

Auf einmal war das Licht aus - oder eine abenteuerliche Begrüßung

So etwas muss man auch einmal erlebt haben. Gestresst vom verspäteten Flug und vom engen 20-Plätze-Bus, in dem im Gang sogar noch ein Teil der Koffer untergebracht werden musste, kam unsere mittel- und nordeuropäische Reisegruppe gegen 22.30 Uhr im Hotel Leipzig in Plovdiv an. Rasch begaben sich die ersten von uns in die Rezeption zum Einchecken. Gerade sollte es damit losgehen, gab es einen Knall und das Licht war aus. Nichts ging mehr: weder der Computer, noch der Fahrstuhl (11-stöckiges Gebäude), auch die Zimmertüröffnungsmechanismen hätten gestreikt.

Per Handy alarmierte die junge Frau von der Rezeption wohl den Hausmechaniker und das Stromversorgungsunternehmen. In 5-10 Minuten sollte erfahrungsgemäß der Strom wieder da sein. Der Ausfall betraf aber den gesamten Straßenblock, und er dauerte und dauerte an. Man führte uns in die Hotelbar, zündete zahlreiche Teelichter an und sorgte damit für eine gemütlich-gespenstische Atmosphäre. Die meisten von uns bestellten sich eine kühle Flasche Bier, denn es war trotz der späten Stunde noch recht warm, und wir waren ziemlich durstig. Dankenswerterweise übernahm Ernst Honegger aus der Schweiz die gesamten Kosten, sehr spendabel! So ersparte sich das Personal mühsame Einzelabrechnungen im Schummerlicht. Die elektronische Kasse funktionierte ohnehin nicht. Das Aufsuchen des “stillen Örtchens” scheiterte daran, dass das mitgenommene Teelicht unterwegs durch die Bewegung erlosch und man voll im Dunkeln stand. Nach gut einer halben Stunde ein großes Hallo, als der Stromschaden behoben war und das Leben normal weitergehen konnte.

Wolfgang G.