Brücke der Freundschaft e. V.

Berichte und Meinungen von Mitgliedern und Gästen

Auf dieser Seite finden Sie Kommentare, Beiträge und Bilder unserer Mitglieder und Gäste zu unseren Veranstaltungen.

On this page you can find comments of our members and guest of our Events.

 

13. April 2019 - Flughafen Tempelhof

Erinnerungen werden wach!

Mit insgesamt 33 Teilnehmern ging es am 16. April, pünktlich um 15:00, auf zur Tour durch einige Gebäudeteile des Flughafens Tempelhof. Unsere Führung stand unter dem Motto „Verborgene Orte“. Der erste Stopp war verbunden mit einem Blick auf das „weite Feld“. Der „Rosinenbomber“ steht immer noch einsam auf dieser riesigen Fläche.

Das gewaltige Dach über uns hatte gleich zwei wichtige Funktionen:

1. Da die Flugzeuge zum Starten oder bei der Landung hier geparkt wurden, kamen die Passagiere stets trockenen Fußes zum Einstieg oder zum Gebäude.

2. Das Dach sollte auch als Tribüne für ca. 80.000 Zuschauer dienen, die Paraden oder militärische Aufmärsche  von oben betrachten sollten. Dieses Vorhaben wurde aber nie umgesetzt.

Jetzt ging es in die Kellergewölbe. Wir sahen die Etage für das Gepäck der Passagiere, den stillgelegten Bahntunnel, die Luftschutzkeller mit ihren vielseitigen Bemalungen und den ehemaligen „Filmbunker“, dessen umfangreiches Archiv 1945 in Flammen aufging. Beim Anblick der verrußten Wände hatte man den Eindruck, dieses Inferno fand in der letzten Woche statt.  Als Krönung spazierten wir am Ende der Führung in die ehemalige Abfertigungshalle, die immer noch sehr beeindruckend auf uns wirkte.

Erst nach dem Krieg wurde der Flughafen von den Amerikanern endgültig fertig gestellt. Nun hatten die 4 Mächte Berlins jeweils ihren Flughafen. Die Briten im Westen Gatow, die Franzosen im Norden Tegel (Nord), die Russen im Osten Schönefeld und die Amerikaner im Süden Tempelhof. Während der Blockade war Tempelhof  die wichtigste Verbindung zu den Flughäfen im Norden, Westen und Süden Deutschlands. Vom 24. Juni 1948 bis zum 12. Mai 1949 transportierten Flugzeuge in 278.000 Einsätzen mehr als 2,3 Millionen Tonnen Fracht nach West-Berlin. Durch die Luftbrücke wurde das Leben der Stadt gesichert.

Bei fast allen Teilnehmern kamen Erinnerungen hoch! Einige sind von Tempelhof in den Urlaub gestartet. Für Flüchtlinge aus der ehemaligen DDR war dieser Flughafen das Tor zum Westen, denn es war für sie gefährlich, Transitwege von und nach Berlin zu benutzen. Die Flüge wurden vom Berliner Senat subventioniert und kosteten ca. 50 DM. Lebendige Erinnerungen gab es auch zur jährlichen Flugschau. Seit 1965 wurde auf dem Flughafengelände auch bei laufendem Betrieb dieses Spektakel den Berlinern geboten. Der „Rosinenbomber“ war immer ein beliebtes Objekt für die Zuschauer. Im Jahr 1971 wurde das größte Transportflugzeug der Welt, die Galaxy, gezeigt, die bedrohlich tief über Friedenau und Tempelhof einschwebte. So könnte ich noch viele Geschichten erzählen ... . Mein Fazit: Dieser Besuch hat sich gelohnt. Auch die anderen Führungen zum Thema: Mythos Tempelhof, Alliierte/Kalter Krieg, Drittes Reich oder Architektur sind sicher genauso sehenswert. 

Hannelore B.

Verborgene Orte

Bereits im November vergangenen Jahres erlebten wir eine interessante Führung im GAT – Bereich des Flughafens Tempelhof, bei der uns die interessante Geschichte des Flughafens anhand vieler Bildtafeln nahe gebracht wurde. So war es wenig verwunderlich, dass das erneute Führungsangebot auf dem Gelände des Flughafens reges Interesse fand. Diesmal begaben wir uns allerdings gemeinsam mit der Führerin auf verborgenes und legendenumwobenes Terrain. Startpunkt war der südliche Flügel der riesigen Flughalle. Diese misst insgesamt 1,2 km und ist bogenförmig gebaut. In der Mitte des Hallenbogens befinden sich die Empfangs- und Verwaltungsgebäude, links und rechts sind die Hangars angeordnet. Baubeginn der heutigen Anlagen war Mitte der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts, entsprechend auch der monumentale Baustil, wie er in der Zeit des Nationalsozialismus bevorzugt wurde.

Aber die Geschichte des Flughafens geht viel weiter zurück in der Zeit. Ehemals war hier ein Exerzierplatz der preußischen Armee. Daran erinnern Straßennamen wie z. B. Paradestraße, die sich in der Nähe befindet. Der erste Motorflug fand hier bereits im Jahre 1909 statt. Nach dem ersten Weltkrieg hatte es sich ausexerziert und die preußische Armee bzw. das deutsche Heer waren Geschichte. Gegen den Widerstand  der Rixdorfer und Tempelhofer Bevölkerung beschlossen die Berliner Stadtverordneten im Frühjahr 1923 den Bau eines Flugplatzes auf diesem Gelände. Baubeginn war bereits im Juni des gleichen Jahres und der Flugbetrieb startete am 8. Oktober mit zwei Flügen, einem nach Danzig und einem nach München. Das war alles natürlich nicht mit heutigen Verhältnissen zu vergleichen. Eine planierte Start- und Landebahn,  zwei hölzerne Flugzeughallen und ein Stationsgebäude – mehr brauchte es damals nicht, um abzuheben. Von Oktober 1923 bis zum Jahresende gab es hier insgesamt 100 Starts und Landungen mit 150 Passagieren, pro Flug also 1 bis 2 Passagiere, somit nur etwas für gut Betuchte! Auch Fracht wurde transportiert, insgesamt 1,3 t. Damit erwirtschaftete man das Grundkapital zum Bau. Der Berliner Magistrat, das Deutsche Reich und der Freistaat Preußen wurden Gesellschafter und der Ausbau des Flughafens konnte auf einem 1,5 km² großen Areal beginnen. Aus dem „Niemandsland“ wurde innerhalb von gut 2 Jahren ein moderner Flughafen mit direkter U-Bahn-Anbindung, damals weltweit einzigartig. Am 6. April 1926 erfolgte die Betriebsaufnahme für den planmäßigen Luftverkehr nach München, in die Schweiz, nach Österreich und nach Königsberg. Währenddessen schritt der Ausbau voran und bereits während der 2. Bauphase war abzusehen, dass der Flughafen aufgrund des starken Anstiegs des Luftverkehrs zu klein geplant war. Wem kommt das nicht bekannt vor … ! Zu Beginn der 30er Jahre stand der damalige Flughafen Tempelhof mit seinem Verkehrsaufkommen an der Spitze des europäischen Luftverkehrs. Aber, wie sollte es anders sein, die Grenzen der technischen Möglichkeiten waren bald erreicht und 1934 begannen die Planungsarbeiten für den Neubau eines Großflughafens an fast gleicher Stelle.

Der Architekt Ernst Sagebiel erhielt den Auftrag, das Reichsluftfahrtministerium war der Bauherr und der Flughafen sollte ganz im Stil der monumentalen Architektur des Nationalsozialismus errichtet werden. Die Planungen gingen von 6 Millionen Passagieren aus! Das Flughafengebäude, welches 1941 fertiggestellt wurde, war bis zur Einweihung des Pentagon in Amerika mit 307.000 m² Bruttogeschossfläche das flächengrößte Gebäude der Welt. Der neu beabsichtigte Großflughafen ging allerdings während des Dritten Reiches nicht mehr in Betrieb. Erst nach Ende des 2. Weltkrieges wurde er durch die Amerikaner wieder nutzbar gemacht und erhielt legendäre Berühmtheit durch die hier startenden und landenden Rosinenbomber während der Blockade. Allerdings mussten zunächst die Überreste der Bombardierung Berlins beseitigt werden, denn weit mehr als 100 Bomben waren auf dem Flugfeld nieder gegangen! Erst ab Juli 1950 durfte der Flughafen erneut zivil genutzt werden und war bis zu seiner Schließung im Jahre 2008 ein wichtiges Verbindungsglied zwischen Westberlin und der BRD sowie anderen europäischen Staaten.

Während unseres Rundganges tauchten wir tief in die verborgenen Gebäudeteile des Flughafens ein. Insgesamt 9 Etagen misst das Gebäude, drei unterirdisch und 6 überirdisch. Es ging treppauf und treppab! Im ersten Innenhof – kaum vorstellbar – befanden wir uns 12 m unter Straßenniveau!

Von hier aus ging es dann in die Luftschutzkeller. Kleine Räume, weiß getüncht mit „Wandmalereien“ nach Motiven von Wilhelm Busch. Für 80 Personen pro Raum, waren die Luftschutzkeller konzipiert, 0,6 m² pro Person. Eine Lüftungsanlage ist vorhanden, an den Wänden sollen Bänke gestanden haben, hygienische Einrichtungen waren nicht erkennbar. Wie haben die Menschen Stunden und aber Stunden der Angst hier überstanden?

Auf dem Weg nach oben, durften wir dann noch ein Sqash-Halle aus der Zeit der Nutzung durch die Amerikaner besichtigen. Wie dicht hier doch Geschichte beieinanderliegt. Danach ein Abstecher zum Eisenbahntunnel, der heute als Zufahrtstraße zum zweiten Innenhof dient. Er war für den Austausch von Postsendungen zwischen Bahn und Flugzeugen gedacht und führte zum Güterbahnhof Hermannstraße.

Wir gingen durch den Tunnel und kamen so zum südöstlichen  Gebäudekomplex. Hier befindet sich der sog. Filmbunker. Er ist mit 12,50 m Tiefe der tiefstgelegene Gebäudeteil des Flughafens und mit einer aufwendigen Lüftungsanlage ausgestattet, die den Brand zum Kriegsende überstanden hat. Bis April 1945 wurden hier wertvolles Kartenmaterial und Luftbildaufnahmen gelagert. Ein Feuer, welches – wie man heute weiß – von den Nazis selbst gelegt wurde, zerstörte alles. Die Spuren dieses 1200 °C heißen, mehrere Tage wütenden Feuers sind noch heute sichtbar! Damit ging die Führung ihrem Ende entgegen. Wir begaben uns in die ehemalige Empfangshalle. Etwas gespenstisch war das schon. Sehr sauber, gut erhalten, so als ob jeden Moment der Betrieb beginnt, aber menschenleer und sehr ruhig! An der Wand ein großes Bild zur Erinnerung an die Luftbrücke, auf dem ein kleines Mädchen einem amerikanischen Soldaten einen Blumenstrauß überreicht.

Mich hat diese Führung sehr beeindruckt, auch wenn ich am Ende ziemlich erschöpft und fußlahm war. Solche Orte sieht man sonst nur auf Fotos! Vielen Dank an Diana Beck für die schönen Panoramafotos! 

Ilona S.

 

17. März 2019 - Werkbundarchiv, Museum der Dinge in Kreuzberg

Ganz ehrlich! Ohne die Verabredung mit Freunden von Brücke der Freundschaft hätte ich an diesem tristen, grauen und verregneten Sonntag Nachmittag sicher keinen Fuß vor die Tür gesetzt. Das Mittag ließ ich ausfallen, denn nach dem Museumsbesuch sollte es noch zum Kuchenkaiser am Oranienplatz gehen. Der Regen war auch pünktlich, als ich losging fing es an! Ich war nicht die einzige, die etwas durchnässt ankam. Unserer Stimmung tat dies keinen Abbruch.

Das Museum präsentiert sich in einem ehemaligen Werkstattgebäude mit mehreren Hinterhöfen im dritten Obergeschoss als Offenes Depot, soll heißen, das ausgewählte Objekte des ca. 40.000 Stücke umfassenden Sammlungsbestandes in einer Vielzahl von Vitrinen ausgestellt sind.

Wobei, ausgestellt würde ich das gar nicht nennen. Nach Sachgebieten geordnet, werden die Objekte in einer fast unüberschaubaren Menge von Vitrinen auf der über 500 qm großen Ausstellungsfläche aufbewahrt. Während der Führung erfuhren wir Interessantes über den Deutschen Werkbund, dessen Archiv Kern des Museums ist. Der Deutsche Werkbund wurde 1907 von Künstlern, Intellektuellen, Industriellen und Politikern gegründet und existiert bis heute. Aus ihm ging auch die Bauhausbewegung hervor, die 1919 in der Gründung des Bauhaus Weimar gipfelte. Aber anders als das Bauhaus existierte der Werkbund auch während des Nationalsozialismus weiter und wurde vom Regime für seine Zwecke vereinnahmt. Zurück zum Museum. Die Sammlungsobjekte spiegeln gut 100 Jahre Gebrauchskultur in unseren Landen wieder.

Manch einer von uns, fand Gegenstände seiner Kindheit in den Vitrinen. Objekte namhafter Designer, anonymes Design, Nützliches und Unnützes, funktionale und puristische Objekte, Geschmachsverirrungen und Kitsch fristen in den Vitrinen ein friedliches Nebeneinander. Besonders skurril: Ein Sofakissen mit dem Konterfei Hitlers, diverses Militaria Spielzeug, Souveniers der olympischen Spiele von 1936, eine Fernsehtruhe mit Minifernseher und, und, und ... . Aber auch zeitlos schöne Dinge konnte man sich anschauen. Eben die Dinge unseres und des Lebens unserer Großeltern und Eltern im Wandel der Zeit.

Ilona S.

 

14. Februar 2019Royal Danish Embassy –  FANØ DIARY – An Exhibition with PHOTO ART

Ilona received an invitation from the “KONGELIG DANSK AMBASSADE” for the opening of the exhibition with unique photos. She found 7 followers. We all together spent a nice evening with some snacks and lots of good wine. At the beginning an employee of the embassy told us some details about the island of FANØ and the traditions of the population. After his speech we had time making up our mind. The text from the officially flyer helped us understanding the meaning of the photos much better:

“This amazing exhibition is a new approach where contemporary photos art illustrates the very special heritage that fascinates everyone who comes into contact with it. We wish to make the viewer curious about FANØ’s cultural history, but also to add new artistic angles to the “life moments” of the past – both every day and special moments”.

 

Hannelore B.

 

14. Dezember bis 16. Dezember 2018 - Weimar, Stadt der Klassiker

Unsere diesjährige Vereinsfahrt führte in das thüringische Weimar, die Stadt der deutschen Klassiker und des Bauhauses. Zunächst bescherte uns die deutsche Bahn etwas Aufregung. Ein Ersatzzug wurde bereitgestellt, in dem die Platzreservierungen nicht ausgewiesen waren, welches zur Irritation der Reisenden führte, denn im vorweihnachtlichen Stress waren die Züge gut ausgebucht. Aber letztlich fanden alle einen Platz, und wir kamen nach knapp drei Stunden Fahrt in Weimar an. Hier wartete die nächste nicht geplante Überraschung. Entgegen aller telefonischen Auskünfte war es nicht möglich, Fahrkarten für den öffentlichen Nahverkehr am Bahnhof zu erwerben. Aber unsere Reise erprobte Gruppe bewältigte auch dies problemlos und jeder erwarb das nötige Ticket beim Busfahrer. Nach nur 15 min Busfahrt waren wir am Ziel, dem Leonardo Hotel direkt am Ilmpark. Eine gute Wahl für unsere Gruppenreise: Geräumige Zimmer in der fünften Etage, super Frühstücksbuffet und ein hervorragender Service an der abendlichen Hotelbar. 

 

 

Nachdem wir uns von den Aufregungen der Anreise erholt hatten, starteten wir gemeinsam zur Herzogin Anna Amalia Bibliothek, wo uns eine Führung durch das Haus erwartete. Dies ist eine öffentlich zugängliche Forschungsbibliothek für Literatur- und Kulturgeschichte mit dem Schwerpunkt auf der deutschen Literatur der Zeit um 1800. Hier werden literarische Zeugnisse vom 9. bis zum 21. Jahrhundert als Quellen der Kulturgeschichte und der Forschung aufbewahrt. Zu besichtigen sind der Renaissance- und der Rokokosaal. Die Führung gab Aufschluss über die historische Entwicklung der Bibliothek, aber auch über die konservatorischen Bemühungen insbesondere nach dem im Jahre 2004 stattgefundenen Brand, bei dem die oberen Stockwerke einschließlich der darin aufbewahrten Kunstwerke und Bücher zerstört wurden. Inzwischen erstrahlt der Rokokosaal wieder im alten Glanz! Die Vorgeschichte der Bibliothek reicht zurück bis ins Jahr 1552. Bereits seit dem ausgehenden Mittelalter legten die Fürsten von Sachsen, die Ernestiner und die Wittiner großen Wert auf die Pflege und Förderung von Kultur, Bildung und Wissenschaft. So verwundert es nicht, dass das Herzogtum Sachsen-Weimar zu den ersten deutschen Ländern gehörte, die die allgemeine Schulbildung für das Volk einführten und sich Weimar im beginnenden 19. Jh. zu einem kulturellen Mittelpunkt entwickelte. Viele bedeutende Köpfe, nicht nur Goethe und Schiller, zog es hierher. Goethe wurde damals mit der Oberaufsicht der Bibliothek betraut und in seinem Todesjahr besaß die Bibliothek bereits 80.000 Bände und gehörte somit zu den bedeutendsten Bibliotheken in Deutschland.

 

 

Übrigens, die kleinen Zettel in den Büchern auf dem Bild markieren Stellen die Goethe höchstpersönlich aufgeschlagen hat. Eine Wissenschaftlerin hat dies durch Archivstudien herausgefunden. Wir erfuhren auch, welche Bewandtnis der Spruch „Ein Buch aufschlagen“ hat. Aber das ist eine andere Geschichte. Als wir nach einer guten, sehr informativen Stunde  das Gebäude verließen, war es bereits dunkel, was niemanden wirklich verwunderte! Umso schöner war die Atmosphäre auf dem Weihnachtsmarkt vor dem Rathaus, wo ein Glühwein für warme Füße sorgte. Das Warten auf das vorbestellte Essen im Residenzcafè erforderte dann noch einmal etwas Geduld, letztlich hat es allen geschmeckt, wovon die gut geleerten Teller zeugten.

Am nächsten Vormittag stand eine Stadtrundfahrt mit dem komfortablen Cabrio-Bus vom Belvedere Express auf dem Programm. Die Fahrt dauerte gut eine Stunde und führte an vielen Sehenswürdigkeiten Weimars vorbei. Erwähnt seien hier nur das Stadtschloss, der Platz der Demokratie mit dem Reiterstandbild von Carl August, das Goethehaus, das Haus der Charlotte von Stein, das Nationaltheater mit dem Goethe- und Schiller Denkmal und, und, und … . Moderiert wurde die Tour von Anke und Stefan, die von Band zu uns sprachen, ergänzt durch Kommentare unseres Fahrers, Herrn Dietel. Sehr beeindruckend war auch ein kurzer Abstecher ins „moderne“ Weimar, das Würfelviertel, wie es die Weimarer liebevoll nennen. Dieses moderne Wohngebiet entstand ab Anfang der 90er Jahre nach dem Abzug der russischen Streitkräfte auf dem Gebiet einer innerstädtischen Kaserne. Initiiert von der Bauhaus-Universität Weimar sollte mit diesem Projekt die kompakte Stadt gestärkt und eine tatsächliche Alternative zum Bauen auf der grünen Wiese aufgezeigt werden. Kompakte Baukörper in relativ dichter Bauweise lassen Platz für einen durchfließenden Grünraum. Unterschiedliche Bauweisen, Parzellengrößen und -formen sorgen für eine Vielfalt sich dennoch ähnelnder Gebäude. Mir gefiel das sehr gut!

 

 

Weimars meistbesuchter Baum, der Ginkgo am Fürstenhaus, durfte auf der Rundfahrt nicht fehlen. Noch zu Goethes Lebzeiten, im Jahre 1820 gepflanzt, erreicht er heutzutage eine stattliche Höhe. Berühmt wurde er durch Goethes Gedicht „Ginkgo Biloba“, welches dieser im Alter von 66 Jahren allerdings nicht in Weimar sondern während einer mehrwöchigen Reise nach Frankfurt verfasste. Es ist seiner späten Liebe, Marianne von Willemer, gewidmet und stellt das Ginkgo Blatt aufgrund seiner Form als Sinnbild der Freundschaft dar. Man findet das Blatt in allen Juwelier- und Souvenirläden Weimars. Übrigens, wer in seinem Garten einen Ginkgo gepflanzt hat und nach 20 bis 35 Jahren im Winter einen unangenehmen nach Buttersäure riechenden Gestank wahrnimmt, der weiß dann, dass er einen weiblichen Ginkgo sein eigen nennen darf. Und noch eine wichtige Information erhielten wir auf dieser Tour: Die Bürger Weimars sollte man nicht gemeinhin als Weimaraner bezeichnen, das sind nämlich Hunde, sondern schlicht als Weimarer. 

 

 

Nach der  Stadtrundfahrt stromerten wir individuell durch Weimar. Ich begab mich mit einigen Freundinnen zur Stadtkirche St. Peter und Paul, seit der Reformation das bedeutendste Kirchengebäude Weimars. Das heutige Bauwerk geht auf eine dreischiffige Hallenkirche aus dem ausgehenden 15. Jh. zurück. Im Krieg total zerstört wurde sie Anfang der 50er Jahre wieder aufgebaut und 1953 eingeweiht. Da der bedeutende Theologe und Philosoph Johann Gottfried Herder hier Ende des 18. Jh. bis zu seinem Tode als Generalsuperintendent wirkte, wird sie im Volksmund auch einfach Herderkirche genannt. Das bedeutendste Kunstwerk der Kirche ist der Cranach Altar. Das dreiflüglige Altarbild wurde von Lucas Cranach dem Jüngeren Mitte des 16. Jh.  gefertigt. Es gilt als Hauptwerk der sächsisch-thüringischen Kunst des 16. Jahrhunderts. Im Retabelmittelbild finden sich neben dem Gekreuzigten auch Bildnisse von Lucas Cranach und Martin Luther. Wir hatten das Glück einer Probe des Madrigalchores Weimar für das am Sonntag (3. Advent) stattfindende Konzert beiwohnen zu dürfen. So verwunderte es nicht, dass außer uns noch weitere Mitglieder in der Kirche waren und andächtig lauschten.

 

 

Das Abendessen im Köstritzer Schwarzbierhaus war zum Tagesausklang noch etwas ganz besonderes. Im schönsten Fachwerkhaus Weimars, saßen wir in einem Hinterstübchen kuschelig beieinander und genossen Thüringer Spezialitäten. Da war für jeden Gaumen etwas dabei. 

 

 

Der Sonntag brachte noch einmal ruhiges Dezemberwetter, so dass ich gemeinsam mit vier Begleiterinnen zunächst zu einem Spaziergang durch den Ilmpark aufbrach. Wir waren nicht die einzigen! Vorbei am römischen Haus war von weitem das Gartenhaus Goethes zu erkennen. Gruppen mit Stadtbilderklärern spazierten durch den Park. Uns beeindruckten die Sichtachsen und einige Ruinen. Während die des Tempelherrenhauses durchaus echt ist, ist die gegenüberliegende eine künstliche Ruine, welche 1784 als Theaterkulisse angelegt wurde.  Das Tempelherrenhaus war ein Veranstaltungsort in Weimar, der aus einer Orangerie hervorgegangen war. Im 2. Weltkrieg total zerstört, ist es heute nur noch imposante Ruine.

 

 

Unser Spaziergang führte zum Wittumspalais gegenüber dem Nationaltheater. Dies war der Witwensitz der Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar-Eisenach. Beim Rundgang, unterstützt durch eine Audioführung, fühlten wir uns in die Zeit der Herzogin versetzt. Überall fanden sich Hinweise auf die Vorlieben der Hausherrin, Büsten und Gemälde aus der Zeit sowie Mobiliar. Für mich schloss sich im 2. Geschoss vor den Wohnräumen der Luise von Göchhausen, der ersten Hofdame der Herzogin, ein Kreis. Wir hatten ihre Büste bereits in der Bibliothek gesehen! Klein von Wuchs, bucklig und unansehnlich, hatte sie zur damaligen Zeit wohl keinerlei Chancen auf dem Heiratsmarkt. So war sie sicherlich sehr glücklich, bereits 1783 in die Dienste der Herzogin eintreten zu dürfen. Sie machte sich durch ihren Humor, ihre Klugheit und ihre Schlagfertigkeiten einen Namen, avancierte so zur ersten Hofdame der Herzogin und wurde von den  bekannten Dichtern und Denkern jener Zeit sehr geschätzt.

 

 

Unsere Zeit in Weimar neigte sich dem Ende. Am Nachmittag fuhr der Zug zurück nach Berlin, natürlich nicht ohne unplanmäßigen Umstieg. Wen wundert’s? Zum Abschluss sei noch angemerkt: Natürlich gehörte für mich als Thüringerin der Verzehr einer „echten“ Thüringer Bratwurst auf dem Weihnachtsmarkt dazu. Allerdings musste ich feststellen, dass die Weimarer Bratwurst einen Hauch von Kümmel enthält. Und das ist so gar nicht mein Fall. Ich habe sie gegessen! Aber künftig – keine Bratwurst für mich mehr in Weimar!

Ilona S.

 

30. November bis 03. Dezember 2018 - Gäste aus Rumänien in Berlin

I and my husband, Constantin, have been members of PTPI, Roman chapter since 1997. I have been several times to Berlin to different events, conferences, the European Youth Forum with my student members and leadership seminars, but never with my family. This time I have decided to make a surprise to my husband on his 50’s anniversary and visit Berlin with family, a happy group of 8 people! It was a real pleasure to meet again our lifetime, dear friends, Lars and Hannelore who joined us in town to different interesting touristic places, Christmas markets and some very special restaurants. Our visit to Berlin would have not been the same without meeting our PTP friends, because this is what gave our visit a feeling of friendship, cultural experience and happiness. Our warmest regards and happy holidays from Roman, Romania!

Sorina D.

 

21. Oktober 2018 - Charlotte von Mahlsdorf, eine phänomenale Person

Dieser Ausflug an den östlichen Stadtrand Berlins hat sich gelohnt. Auch wenn keiner der Teilnehmer die Epoche zwischen 1880 und 1900 anders als auf Fotos oder in der Literatur erlebt hat, war der Besuch des Gründerzeitmuseums im Gutshaus Mahlsdorf für alle ein besonderes Erlebnis. Vielleicht weckte der eine oder andere Gegenstand doch eigene Erinnerungen an die jüngere Vergangenheit, in der diese Gegenstände nach wie vor noch in Gebrauch waren. Dass die oft “gute alte Zeit” genannte Epoche gar nicht so gut war, zeigte sich in der Schilderung des bewegten Lebens von Charlotte von Mahlsdorf durch Frau Schulze-Pusch. Als Lothar Berfelde 1928 geboren, begann er bereits im Kindesalter mit seiner Wandlung zum Mädchen und zur Frau, wurde damit gesellschaftlich zum Außenseiter. Umso emsiger und ehrgeiziger verfolgte er bzw. sie die Leidenschaft zum Sammeln von Möbeln und Gebrauchsgegenständen aus der Gründerzeit, die sonst auf dem Müll gelandet wären. Eine besondere Liebe fanden alte mechanische Musikmaschinen.

Unvorstellbar, welche Menge an Exponaten Charlotte mühsam zusammentrug und nach dem 2. Weltkrieg zugleich das heruntergekommene ehemalige Gutshaus Mahlsdorf ebenso mühsam mit einigen Helfern zu einem Museum ausbaute, dort selbst äußerst notdürftig wohnte und lebte. Nahezu alles Geld, das sie zeitweise bei einfachen Jobs verdiente, steckte sie ins Haus. Ihr ist auch die Rettung der Einrichtung der letzten verbliebenen Kiezkneipe aus der Gründerzeit bzw. aus dem Zille-Milieu zu verdanken sowie der 1951 geschlossenen Mulackritze in der Mulackstraße im Scheunenviertel. Dieses authentische alte Stück Berlin bereichert das Museum ungemein. Dass alles so gut erhalten und gepflegt  und weiterhin der Öffentlichkeit eindrucksvoll präsentiert wird, ist dem rührigen Förderverein des Hauses zu verdanken. Er verstand es auch, hierfür notwendige Zuschüsse und Spenden zu gewinnen. So ist ein äußerst vielfältiges Erbe der letzten Epoche des 19. Jahrhunderts in natura bewahrt worden, welches Frau Schulze-Pusch während ihrer Führung durch das Museum zusammen mit der Porträtierung von Charlotte mit Herz und Leidenschaft vermittelte.   

Wolfgang G.

 

08. Oktober 2018 - Die Rote Insel. Ein Stadtspaziergang mit Martin Forberg

Eine Milieustudie

Am Montag, dem 8. Oktober 2018, starteten wir fast pünktlich um 16:00 Uhr unseren Rundgang mit Martin Forberg am S-Bahnhof Julius-Leber-Brücke. Für mich ein besonderes Erlebnis, denn ich habe von 1949 bis 1972 in der Gustav-Müller-Straße gewohnt Nicht nur für mich, sondern auch für Heidi war es ein „Heimatspiel“. Sie wohnte von 1949 bis 1961 in der Gotenstraße und anschließend bis 1972 in der Naumannstraße. Der Name „INSEL“ geht zurück auf die Tatsache, dass die Trassen der S-Bahn das Wohngebiet umschließen. Im Süden sind es die Bahnhöfe Schöneberg und Südkreuz (ehemals Papestraße). Im Norden liegen die Bahnhöfe Großgörschenstraße und Yorkstraße fast nebeneinander. So entsteht ein Dreieck, das man als „INSEL“ bezeichnen kann. Südlich der Kolonnenstraße befindet sich der eigentliche Kiez. Hier verlaufen in Nord-Süd-Richtung die Cherusker-, Goten-, Leber-, Gustav-Müller- und die Naumannstraße.

In unserer Kindheit gab es in fast jedem Haus auch ein kleines Geschäft. In dem Wohnhaus, in dem ich groß geworden bin, befand sich ein Milchladen. Wir wohnten im  Vorderhaus direkt in der Wohnung darüber. Unsere Wohnung war im Winter sehr „fußkalt“. Der gemütliche Kachelofen schaffte es nicht, zur kalten Jahreszeit den Raum zu erwärmen. Es gab in unseren Straßen keine dunklen Hinterhöfe. Die Häuser hatten lediglich „Seitenflügel“. Diese Wohnungen bestanden meistens nur aus einem Zimmer, einer Küche und einem Korridor. Die Toilette war eine halbe Etage tiefer und wurde von 2 Mietparteien benutzt. Gerne würde ich wissen, wie es heute dort so aussieht! Zu meiner Zeit gab es im Vorderhaus 8 Mitparteien und ebenso wohnten 8 Mietparteien im Hinterhaus. Die Größe der Familien war identisch, denn auch in den Einzimmerwohnungen wohnten oft 4 Personen. Die Zahl der Kinder war groß. Wenn ich nachdenke, dann waren wir bestimmt 10 Kinder im Haus. Gespielt wurde fast nur auf der Straße. Da der Autoverkehr gleich Null war, konnten wir problemlos auf dem Damm Rollschuh laufen. Ein kleiner Spielplatz mit Sandkasten und Turngerüst befand sich auf dem Leuthener Platz. In unserer Straße gab es außer dem Milchladen einen Fleischer, einen Gemüseladen, einen Bäcker, eine Glaserei, einen Schuster, einen Friseur, eine Drogerie, einen Tabakwarenladen und natürlich an fast jeder Ecke eine Kneipe. Diese Vielzahl an Einzelhandelsläden befand sich nur auf dem Stück vom Gustav-Müller-Platz bis zur Leuthener Straße. In den anderen Straßen sah es ähnlich aus. Die Leute, die in den Parterre Wohnungen wohnten, schauten oft den ganzen Tag aus dem Fenster und wussten genau Bescheid, was so los ist. Der Klatsch und Tratsch blühte.

Im oberen Drittel der Gustav-Müller-Straße steht noch heute die Königin-Luise-Gedächtniskirche. Hier sind Heidi und ich 1963 eingesegnet worden. Unsere Spielplätze waren außer dem  Leuthener Platz noch das Gebiet in der Torgauer Straße im Umfeld des Gasometers. Zum Leidwesen der Anwohner ist der Fernsehempfang mit Zimmerantenne sehr schlecht gewesen, wenn der Kessel oben, also mit Gas gefüllt, war. Wir konnten sowieso nur 2 Sender empfangen: ARD und Ostfernsehen. Alles nur in Schwarz/Weiß und das Ostfernsehen meistens mit viel „Schnee“. In den letzten 60 Jahren hat sich doch einiges verändert. Viele junge Familien wohnen jetzt hier, denn die Mieten sind erschwinglich. Wir sahen auf unserem Rundgang zahlreiche Kindergärten, oder besser Kinderläden. Leider fehlen  Grünflächen in den Straßen.

Hannelore B.